Wie Bruzzelbrüder sich sehen- ein Interview

Gerrit: Peter, zunächst herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, den Lesern etwas über dein Engagement in der Gemeindearbeit zu berichten.Du gehörst zu den Bruzzelbrüdern -wohlgemerkt Bruzzelbrüder mit zwei„z“- und bist seit den Anfängen dabei. Wie und wo hast du davon erfahren?

Peter: Die Schwiegermutter meines Freundes Holger sprach uns an, ob der Männerkochkreis der Evangelischen Kirchengemeinde für uns interessant sein könnte. Sie schickte uns mit den Worten: „Geht mal dahin und schaut es Euch ruhig an.“ – Und bis heute sind wir dabei.

Gerrit: Wen hast du dort angetroffen?

Peter: Männer jeden Alters und jeder gesellschaftlichen und beruflichen Schicht. Angestellte, Selbständige, Rentner, Akademiker, Köche, einen Konditor, Arbeiter. Alle Gruppen, nur eine nicht: Frauen, was den Männern manchmal auch gut tut.

Gerrit: Berichte den Lesern bitte kurz, wie die Treffen so ablaufen!

Peter: 8 bis 10 Männer erscheinen gegen 18.00 Uhr in der Gemeindehausküche zum Kochen; die restlichen Teilnehmer dann gegen 20.00 Uhr zum Genießen und Spülen.

Beim Kochen, Essen und danach gibt es immer Gespräche zwischen Männern und über Männerthemen. Und über Kirche, Gemeinde, Glauben.

Gerrit: Man sagt, „viele Köche verderben den Brei“. Wie ist das bei den BBs?

Peter: Wir ergänzen uns ganz gut. Auch wer kein „Meisterkoch“ ist, findet in der Küche seine Aufgabe und Passion. Und- schmecken tut’s hinterher eigendlich immer. Zur Not haben wir noch ein paar geheime Zutaten, die das Ganze abrunden… Außerdem haben wir Männer „vom Fach“ unter uns, die die Regie übernehmen und auch im Vorfeld mit unserem Pfarrer Arne die Einkäufe organisieren.

Gerrit: Wann beschließt ihr, was gekocht wird?

Peter: Bei unseren Treffen oder ganz spontan. Einer von uns hat immer eine mach- und kochbare Idee.

Gerrit: Bei all den Kochereignissen, gibt es da auch von Pleiten, Pech und Pannen zu berichten?

Peter: Ja, oh ja. Aber das gehört dazu, bleibt aber auch unter uns.

Gerrit: Bitte nur ein Beispiel für unsere Leser!

Peter: Für Insider sage ich nur: Püriertes Reh! Das Tier hatte in diesem Fall den Tod nicht verdient.

Gerrit: Finden neben den Treffen auch andere gemeinderelevante Aktivitäten statt?

Peter: Wir engagieren uns in der Gemeinde jeder einzeln so, wie er Lust und Zeit hat. Das reicht vom Catering bei dem Gemeindefest oder Theaterveranstaltungen im Gemeindehaus bis zur „Nacht der Offenen Kirche“.

Gerrit: Gibt es weitere nennenswerte Aktionen, mit denen ihr auf die Bürger zugeht?

Peter: Selbstverständlich! Der ökumenische Stand beim Stadtfest im September oder das Benefizkochen alle 2 Jahre; das Kartoffelfest im ortsansässigen Altersheim, dem Matthias-Claudius-Haus und der Männergottesdienst seien da noch genannt.

Gerrit: Sicherlich kommt der Reinerlös derartiger Veranstaltungen auch Bedürftigen zugute?

Peter: Na klar: Defibrilator in der Stadtsparkasse, Unterstützung des Fördervereins Freibad, Evang. und Kath. Kindergarten, Unterstützung einzelner Gruppen der Gemeindearbeit wie Seniorencafé oder Jugendgruppe… - Da kommt einiges zusammen.

Gerrit: „Einsatz der Nächstenliebe“ würde Gerrit sagen. Seid Ihr auch noch offen für Neuzugänge?

Peter: Immer, jeder ist zum „Schnupperkochen“ herzlich willkommen; und wer sich dann von uns nicht abschrecken lässt, darf dann auch dauerhaft am Kochtopf stehen.

Gerrit: Die Kirche als wesentliches Instrumentarium unserer Gesellschaft -und somit auch die Gemeinschaft der Bruzzelbrüder- ermöglicht ihr es den Männern auch, christliche Werte ins Bewusstsein zu holen oder neu zu entdecken?

Peter: Auf jeden Fall. Man muss die Menschen nur mit einem attraktiven Angebot ansprechen und auf sie zugehen. Trotz aller Freude am Kochen stehen bei den Bruzzelbrüdern Glaube und Kirche im Vordergrund.

Gerrit: Für dich hat diese Gruppe etwas ganz Besonderes, denn du warst anfänglich noch Mitglied der katholischen Kirche. Konvertieren ist ein langfristiger Prozess, den man mit sich selber ausmachen muss. Hat die Gruppe dennoch Einfluss auf Deine Entscheidung genommen? Es muss betont werden, dass die Begegnungen der BBs als Zeichen ökumenischer Denkweise für alle Glaubensrichtungen offen sind und jeder willkommen ist.

Peter: Für mich war es vom Engagement bei den BBs bis zu meinem Einbringen in die Kirchenarbeit ein konstanter Prozess, so dass mein Wechsel zur evangelischen Kirche schließlich eine Selbstverständlichkeit war. Inzwischen bin ich sogar Mitglied des Presbyteriums, was letztendlich ohne den Ratschlag von Holgers Schwiegermutter nie geschehen wäre.

Gerrit: Ja, so sind die Frauen, und somit wären wir wieder am Anfang bei der Schwiegermutter angekommen und sehen, ohne Frauen geht es eben doch nicht. Habt Ihr denn für die Frauen auch schon ein Essen ausgerichtet?

Peter: Ja, und alle haben es überlebt.

Gerrit: Ein schönes Schlusswort!

Das Interview führte Gerrit Schmidt

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

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Nur eins müssen Sie sein: „Mann“!