Gemeindeversammlung am 06.07.

Nach der Fusion:  „Leben bleibt Veränderung“

Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel zieht auf Gemeindeversammlung  Zwischenbilanz

Bredenscheid/Sprockhövel. Es war vielleicht keine Liebesheirat, sondern eher eine Vernunftehe, die die beiden bis dahin eigenständigen Kirchengemeinden Bredenscheid-Stüter und Sprockhövel im Sommer 2015 eingegangen sind. Nach dem eher überraschenden Wechsel der damaligen Bredenscheider Gemeindepfarrer in den Dienst der Landeskirche hätte die zahlenmäßig schrumpfende Gemeinde laut Kirchenordnung keinen Anspruch mehr auf eine volle Pfarrstelle gehabt – sich in der Nachbarschaft umzusehen, machte also Sinn. Zusammen verfügt die nun miz 7276 Mitgliedern Zahlen- und auch flächenmäßig  größte Gemeinde im Kirchenkreis über knapp drei planmäßige Pfarrstellen, die von Heike Rienermann, Arne Stolorz und Martin Funda besetzt werden. Mit Marianne Funda komplettiert eine erfahrene Pfarrerin das Theologen-Team, das sich die Arbeit in den insgesamt drei Pfarrbezirken räumlich und inhaltlich aufteilt.

Ob im Laufe der Zeit aus Respekt und Achtung, wie das manchmal in Ehen passieren soll, auch Zuneigung entstand, möchte die Gemeindeleitung bestehend aus dem Presbyterium und Pfarrern gerne wissen und lädt daher alle Gemeindeglieder zu einer außerordentlichen Gemeindeversammlung am kommenden Donnerstags, 6. Juli, von 19 bis 21 Uhr ins Gemeindehaus am Perthes-Ring 18 nach Sprockhövel ein.

„Wir möchten einen möglichst vielfältigen Eindruck von den Erfahrungen und Meinungen der Menschen in unserer Kirchengemeinde bekommen“, erklärt Pfarrerin Marianne Funda. „Wir finden, dass das Zusammengehen für eine Fusion sehr gut gelaufen ist“, betont die engagierte Kirchenfrau, verschweigt aber auch nicht die Schwierigkeiten. „Es war keine einfache Aufgabe, zwei Gemeinden mit so unterschiedlichen Strukturen und Mentalitäten zusammen zu bringen.“

Manche Veränderung wird von den Gemeindegliedern betrauert, was die Seelsorgerin nur verständlich findet. „Es gab viel Gutes in beiden Gemeinden, was lange Bestand hatte“, weiß sie. Doch der Weggang etwa der beliebten Gemeindesekretärin und eines Kirchenmusikers oder das Ende des Projektes Gemeindeschwester fielen zwar zeitlich in die Phase der Fusion, waren aber unabhängig von der Zusammenlegung längst geplant. „Das muss man fairerweise trennen.“

Um möglichst vieles zu erhalten, was den Menschen an Herz gewachsen war, bemühte sich ein Ausschuss mit Vertretern aus beiden Gemeinden schon im Vorfeld der Fusion um sanfte Veränderungen. Am 1. Juli 2015 war es dann soweit: Die Fusion trat in Kraft. „Diese zwei Jahre seither waren für uns auch eine tolle Chance, Sachen auszuprobieren – und auch wieder zu lassen“, findet Marianne Funda. Ein gemeinsames Presbyterium leitet nun die Gemeinde und verantwortet Angebote, verwaltet Grundstücke und Gebäude und versucht, wirtschaftliche Zwänge und inhaltliche Wünsche möglichst menschenfreundlich unter einen Hut zu bringen.

Unter anderem wurden neue Gottesdienstzeiten und –Formate ausprobiert – ohne die Notwendigkeit, sich miteinander zu verständigen, gäbe es vermutlich bis heute keine unterschiedlichen Anfangszeiten. „Doch nun  können die Gemeindeglieder sonntags entscheiden, ob sie den frühen Gottesdienst um 9.30 in Bredenscheid besuchen oder lieber um 11 Uhr in Sprockhövel beten wollen.“

„Die beliebten Feste, etwa Erntedank oder am 1. Advent, haben die Menschen immer schon  wechselseitig besucht“, weiß Marianne Funda. Nun werden sie teilweise gemeinsam verantwortet – und ob das nun als frischer Wind oder als ungeliebte Veränderung erlebt wird, sei vermutlich eine Haltungsfrage. „Am Donnerstag wollen wir alle Gemeindeglieder einladen, mit uns ihre Trauer oder Kritik, aber gerne auch ihre Freude zu teilen und neue Ideen auszutauschen“, hofft Marianne Funda auf große Resonanz. Gerüchten, dass die Fusion nur ein Schritt zur endgültigen Schließung eines Standortes gewesen sei, tritt sie entschieden entgegen: „Da ist nichts dran.“ Mit der Fusion, so Funda, habe die neue Gemeinde vielmehr eine solide Basis für die Zukunft geschaffen. Aber keine, die in Stein gemeißelt sei: „Stehenbleiben können wir nicht. Leben bleibt Veränderung.“

Im Presbyterium, also dem Gremium, das die Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel leitet, engagieren sich Menschen aus allen drei Pfarrbezirken. Sie möchten von den Gemeindegliedern erfahren, wie es ihnen nach der Fusion geht.